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Absage an zentrale Flüchtlingsbauten
06.11.2015

Einwohnerversammlung in Handewitt: Die größten Emotionen gab es beim Thema Straßenbeleuchtung

„Eine gemütliche, informative Veranstaltung“, bilanzierte Bürgervorsteher Dieter Neugebauer nach rund zweieinhalb Stunden – und erntete Applaus aus der Bürgerschaft. 174 Teilnehmer waren zur Handewitter Einwohnerversammlung in der Kleinen Halle erschienen. Eindeutiger Schwerpunkt: die Flüchtlings-Thematik, über die sich ausgetauscht und informiert wurde. In einer entspannten Atmosphäre – was sicherlich auch daran lag, dass Verwaltung und Kommunalpolitik mehrmals betonten, an der dezentralen Unterbringung von Asyl-Bewerbern festzuhalten. Container oder Zeltstädte entsprechen nicht der Handewitter Wunschvorstellung.

Zwei sogenannte Impulsreferate bildeten den informativen Auftakt. Violetta Seelig-Kiss von der Arbeiterwohlfahrt erzählte aus dem Alltag der „Willkommenskultur“ und betonte die Zusammenarbeit von Ehrenamt und hauptamtlichen Betreuern. Dr. Thiemo Lüeße, Projektleiter im Kieler Innenministerium, klopfte Fakten über Verteiler-Schlüssel, Asyl-Anträge und erste Schritte vor Ort ab. „Es läuft dort am besten“, sagte er, „wo es gelingt, bürgerliches Engagement zu gewinnen.“ Kurz darauf gab es Beifall für die Protagonisten vom Netzwerk „Flüchtlingshilfe Handewitt und Umgebung“, die in der ersten Reihe saßen.

Bürgermeister Thomas Rasmussen skizzierte die Handewitter Verhältnisse: 92 Flüchtlinge, überwiegend alleinstehende Männer, leben derzeit in der Geestkommune. 30 bis 40 Neuankömmlinge werden bis Jahresende erwartet, 120 weitere für 2016. Bislang wohnen die Menschen in Privathäusern oder gemeindlichen Liegenschaften, verteilt auf vier der insgesamt acht Handewitter Ortsteile. „Allmählich wird es schwierig“, sagte Thomas Rasmussen, „da in Handewitt kein klassischer Mietwohnungsbau existiert.“

Um Abhilfe zu schaffen, soll auf insgesamt drei kommunalen Grundstücken in den Ortsteilen Handewitt (Mühlenweg), Jarplund (Falkenweg) und Weding (Schulkoppel) sozialer Wohnungsbau vorangetrieben werden, möglichst schon im ersten Halbjahr 2016. „Wir wollen keinen Billig-Systembau“, betonte der Bürgermeister. Ein Qualitätskatalog werde erarbeitet, an den sich private Investoren zu halten hätten. „Warum müssen für gemeindeeigene Grundstücke Investoren gesucht werden?“, warf der Jarplunder Uwe Thomsen ein. „Handewitt ist doch sonst auch nicht zurückhaltend mit dem Investieren.“ Kämmerer Uwe Hansen antworte kurz und bündig: „So wie geplant, ist es sicherlich ein richtiger Weg!“

Zahlreiche Fragen der Einwohnerschaft befassten sich mit der sozialen Komponente: Wann fangen die Flüchtlinge an zu arbeiten? „Zuerst bekommen alle einen Deutsch-Unterricht, denn die Sprache ist der Schlüssel zu allem“, erklärte Handewitts Flüchtlings-Koordinator Klaus Herbst. „Dann folgen Praktikum und erste Arbeitsverhältnisse.“ Ute Spiekermann, die einen Sprach-Kurs leitet, bat um eine ganz konkrete Hilfe: „Es besteht der Wunsch nach Singen, und dafür suchen wir jemanden, der uns mit Gitarre oder Akkordeon begleitet.“

Die größten Emotionen während der Einwohnerversammlung löste ein ganz anderes Thema aus: die Straßen-Beleuchtung. Nur in den Ortsteilen Weding und Jarplund brennen die Laternen die ganze Nacht, andernorts ist es nach der Geisterstunde zappenduster. Wolfgang Hennig, Vorsitzender des Infrastrukturausschusses, bezifferte die Mehrkosten für eine komplette Nachtbeleuchtung in allen Dörfern auf bis zu 50 000 Euro. Ein entsprechender Antrag eines Bürgers zerschellte allerdings in der Einwohnerversammlung. Die Gegenargumente überzeugten offenbar mehr. „In den 70er Jahren haben wir über Belgien geschmunzelt, weil dort sogar die Autobahnen ausgeleuchtet waren“, sagte die Handewitterin Felicia Elsler. „Und nun wollen wir selbst alles unter Flutlicht setzen?“

06.11.2015 
Quelle: Flensburger Tageblatt