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Ein Jahr INTERREG 4 A

Interview mit Bogislav-Tessen von Gerlach, deutscher Vorsitzender des INTERREG-Ausschusses

KS: Herr von Gerlach, das Förderprogramm INTERREG 4 A gibt es jetzt seit ca. einem Jahr. Wie sehen Sie die Perspektiven dieses neuen Programms?

von Gerlach: Das INTERREG 4 A-Programm ist sehr gut gestartet. Ich denke, dass sich die Perspektiven bereits aus der bisherigen Entwicklung ablesen lassen: Das Fördervolumen in INTERREG 4 A beträgt insgesamt ca. 44,3 Mio. Euro und hat sich gegenüber INTERREG 3 A damit nahezu verdoppelt. Auch die Zahl der Projektanträge ist seit dem ersten INTERREG-Programm stetig angestiegen; für INTERREG 4 A wurden allein für das erste Jahr (bis zum 16.2.2009) 25 Anträge eingereicht.

KS: Welche neuen Chancen und Vorteile versprechen Sie sich aus der größeren Gebietskulisse, der verbesserten Förderrate, des Leadpartnersystems usw. unter INTERREG 4 A verglichen mit INTERREG 3 A?
von Gerlach: Die größere Gebietskulisse in INTERREG 4 A ermöglicht noch besser das „über den Tellerrand sehen“, das heißt die Ausweitung der Region findet auch in den Köpfen statt. Zudem erschließt die vergrößerte Gebietskulisse mehr Know-how sowie mehr potenzielle Projektpartner. Die breiter aufgestellten Projektkonzeptionen wirken sich sicherlich auch positiv auf die Qualität der Projekte selbst aus. Ich glaube, dass es gut gelungen ist, die Gebietskulisse von Vejle im Norden bis Rendsburg, Kiel und Neumünster im Süden auszudehnen.
Ob das Leadpartnersystem gegenüber dem bisherigen System Vorteile bringt, muss sich in der Praxis allerdings erst noch zeigen. Vom Ansatz her kann mit einem solchen System sicherlich eine stringentere Projektdurchführung erreicht werden, dies hängt aber wesentlich von dem jeweiligen Leadpartner ab, der die Gesamtverantwortung trägt. Es muss immer eine gute Kommunikation und eine reale Arbeitsteilung mit den Projektpartnern stattfinden.

KS: Welche Wirkungen wollen Sie als Vorsitzender des INTERREG-Ausschusses mit dem Programm erreichen?

von Gerlach: Die Region Syddanmark-Schleswig-K.E.R.N. möchte zusammen mit allen Partnern einen gemeinsamen deutsch- dänischen Wirtschafts- und Lebensraum nachhaltig voranbringen. Das Grenzüberschreitende des Programms hat sich in den vergangenen Jahren ja nicht nur als Begriff eingeprägt, sondern charakterisiert auch den Alltag und das Miteinander der Menschen. Dies lässt sich zum Beispiel an den Grenzpendler-Zahlen ablesen, die innerhalb von wenigen Jahren in die Höhe geschnellt sind. Wir leben hier in einer gemeinsamen Wirtschafts-, Arbeits- und Sozial-Region mit einem gemeinsamen Kulturraum; das heißt, es gibt unglaublich viele Gemeinsamkeiten, die immer wieder hervorgekehrt werden müssen.

KS: Wie, finden Sie, ist das INTERREG-Programm in der Programmregion angenommen worden? Wie sehen Sie das Verhältnis von gestellten Anträgen und bewilligten Projekten?

von Gerlach: Bedenkt man die komplexe Startsituation des Programms, kann man grundsätzlich eine gute Akzeptanz in der Region konstatieren, wobei es natürlich regionale Unterschiede gibt. Von den bislang 25 Projektanträgen sind derzeit 17 bewilligt worden, was einer Quote von 68% entspricht. Ich denke, dass es stets wichtig ist, qualitätsvolle, die regionale und grenzüberschreitende Entwicklung unterstützende Projekte zu generieren und die Projektpartner in die Lage zu versetzen, bewilligungsreife Anträge zu stellen.

KS: Wie gedenken Sie die Herausforderung anzugehen, die in den unterschiedlichen regionalen Voraussetzungen und Zielen der deutschen und dänischen Partnerregionen stecken?

von Gerlach: Unterschiede können nur durch ständige Gespräche erkannt und gelöst werden. In der Region Sonderjylland-Schleswig gibt es dazu gewachsene Strukturen, in denen ein solcher Austausch stattfindet. Ob dies auch in der ehemals kooperierenden Region K.E.R.N.-Fyn gleichermaßen gilt, kann ich nicht beurteilen. Die gesamte Förderregion von INTERREG 4 A kann natürlich noch nicht so zusammengewachsen sein, wie dies die früheren Teilregionen sind. Dafür sind beispielsweise die Strukturen und Bedürfnisse in der Region Sonderjylland-Schleswig mit einer schnell zu überquerenden Landgrenze einerseits und der K.E.R.N.-Fyn Region andererseits doch zu unterschiedlich.

KS: In welcher Relation sehen Sie das INTERREG-Programm zu den anderen EU-Förderprogrammen in Deutschland, Dänemark und Europa?

von Gerlach: Ja, INTERREG ist natürlich das, was uns hier unmittelbar im alltäglichen Leben begleitet, also alles, was da von Wissenschaft, Wirtschaft und Arbeit über Kultur und Natur, Energie und Umwelt zusammenspielt. Das INTERREG- Programm ist auch im Verhältnis zu den anderen Förderprogrammen unverzichtbar, gerade weil es den direkten grenzüberschreitenden Ansatz hat. Die Potenziale und Synergien, die sich aus einer grenzübergreifenden Zusammenarbeit ergeben, würden ohne INTERREG wohl nicht oder nicht in diesem Ausmaß mobilisiert werden.

KS: Was macht in Ihren Augen ein gutes INTERREG-Projekt aus?

von Gerlach: Es sollte die Region voranbringen, d. h. helfen, die identifizierten Stärken der Region auszubauen und die Schwächen abzubauen. Zudem sollte es möglichst breit aufgestellt sein, nachhaltig wirken und einen grenzüberschreitenden Mehrwert für alle Beteiligten ergeben. Es wäre gut, wenn sich die Projektpartner in einem Feld bewegen, in welchem sie sich auskennen und sich geschickt miteinander vernetzen und verzahnen können, so dass das Projekt schließlich so etwas wie eine Eigendynamik entfaltet, in deren Folge sich die Projektpartner immer weiter entwickeln.

KS: Was würden Sie sich von neu gestellten Projektanträgen zukünftig wünschen? Was möchten Sie den Antragsstellern mit auf den Weg geben?

von Gerlach: Neue Projekte sollten die eben genannten Kriterien erfüllen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sie die Region wirtschaftlich stärken und Nutzen für die Menschen in der Region bringen. Antragsteller sollten sich um eine möglichst breite Aufstellung des Projektes bemühen und sich bereits im Frühstadium ihrer Planungen mit dem INTERREG-Sekretariat in Flensburg oder dem Info-Point in Rendsburg bzw. Kiel zur Vorabstimmung in Verbindung setzen.

KS: Was für ein Projekt würde Ihnen vorschweben, wenn Sie selbst einen Antrag stellen würden?

von Gerlach: Ein Projekt, an dem möglichst viele Schulen aller Schularten beiderseits der Grenzen beteiligt sind und das einen Schüleraustausch für einen bestimmten oder wiederkehrenden Zeitraum ermöglicht, um so die Sprache, das Leben und den Schulalltag im jeweils anderen Land kennenzulernen. Also: Ein Projekt „Schule – grenzenlos“! Wir gestalten das Unternehmen INTERREG ja nicht für einen menschenleeren Raum, sondern für einen Raum, der von Menschen diesseits und jenseits der Grenze belebt wird, die hier auch weiterleben, arbeiten, sich verständigen und kulturell austauschen wollen. Und zu allem gehört natürlich auch das Bewusstsein des Alltagslebens des anderen, von dem ich aber nur erfahre, wenn ich auch mit ihm kommuniziere. Ich muss mich also in der Sprache zurechtfinden, und diese vermittle ich am ehesten in den Schulen. Dafür sollten sich dann auch die unterschiedlichsten Schulen in der Region vernetzen, von den Grundschulen über die weiterführenden Schulen bis hin zu den Berufsschulen und Behindertenschulen.
In einem INTERREG-Projekt könnte man etwa eine Schulpartnerschaft in größerem Maßstab organisieren. Es könnten ganze Klassenstufen für einen Monat die Schule wechseln, oder Lehrer könnten auf der jeweils anderen Seite der Grenze in ihrer eigenen Sprache unterrichten. Das Ganze sollte natürlich von externem Sachverstand begleitet werden, etwa von der Universität bzw. der pädagogischen Hochschule, die hier in Flensburg ansässig ist, der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Es wäre schön, wenn INTERREG zu so einem Projekt einen Beitrag leisten könnte!

KS: Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Ideen, Herr von Gerlach!